Mediävistische Lehrveranstaltungen Frühlingssemester 2019

Im Folgenden sind alle mediävistischen Lehrveranstaltungen aufgelistet, die im Frühlingssemester 2019 an der Universität Zürich angeboten werden (ausgenommen Proseminare). Die Veranstaltungen sind in drei Rubriken eingeteilt:

Das Verzeichnis gibt Auskunft über Zeitpunkt und Inhalt der Veranstaltungen. Für alle weiteren Informationen steht das Vorlesungsverzeichnis der Universität zur Verfügung. Die Gesamtübersicht steht auch als Download (PDF, 165 KB) zur Verfügung.

Vorlesungen

 

Johannes Bartuschat (Romanistik)

Introduzione a Petrarca

Mi 12:15-13:45

Il corso intende essere un avviamento alla lettura del Canzoniere di Petrarca nonché una presentazione complessiva delle sue opere e della sua parabola intellettuale. L’analisi del Canzoniere sarà pertanto accompagnata dalla lettura di brani di altre opere del poeta. Si cercherà di leggere la poesia volgare alla luce di temi e questioni sviluppati nelle opere latine, segnatamente nell’Epistolario e nei trattati, per ricostruire non solo la poetica, ma anche il "pensiero" di Petrarca.

 

David Ganz (Kunstgeschichte)

Spiegel der Wirklichkeit: Altniederländische Malerei

Do 14:00-15:45, bis 23.5.

Die Malerei der Altniederländer, fasziniert die kunsthistorische Forschung seit ihren Anfängen. Diese Anziehungskraft beruht modern gesprochen auf Techniken der malerischen Simulation: der Vortäuschung von Personen und Objekten, von Räumen und Oberflächen. Die altniederländische Kunst erscheint so zunächst einmal als Spiegel der Wirklichkeit und als Gründungsbewegung realistischer Malerei. Erst in einem längeren Prozess hat die kunsthistorische Forschung den Blick dafür schärfen können, dass der Realismus dieser Bilder eine kunstvolle Fiktion ist: Stets geht es darum, Sichtbares gemeinsam mit Unsichtbarem so zu präsentieren, als sei beides mit dem blossen Auge wahrnehmbar. Im Verlauf der wissenschaftlichen Auseinandersetzung hat sich weiterhin gezeigt, dass Künstler wie Jan van Eyck, Rogier van der Weyden oder Hans Memling überwiegend unter Rahmenbedingungen arbeiteten, die von religiösen Praktiken und Vorstellungen bestimmt waren. Die Vorlesung will an zentralen Werkbeispielen in den Komplex der altniederländischen Kunst einführen, die im 15. und im frühen 16. Jahrhundert in Burgund und in den südlichen Niederlanden entstand. Ein besonderes Augenmerk gilt den medien- und kulturgeschichtlichen Kontexten der Werke und den sich verschiebenden Deutungsperspektiven der kunsthistorischen Forschung.

 

Martin-Dietrich Glessgen (Romanistik)

Histoire externe de la Galloromania

Mo 16:15-18:00

Le changement langagier répond à des logiques inhérentes au langage (principes de l'économie et de l'expressivité etc.), mais est aussi tributaire des contextes d'usage (espaces géographiques et socio- culturels, traditions de dicours) et des transformations extra- linguistiques dans la société. La chute de l'Empire Romain, l'instauration de l'Ancien Régime ou la Révolution française ont eu des effets sur le changement linguistique tout comme la réforme monastique médiévale, la Guerre de Cent Ans, les conquêtes extra-européennes ou la scolarité générale et la démocratisation à l'époque contemporaine. La géographie, la structure de la société et la médialisation de la langue (manuscrit, imprimé, film, ordinateur) créent ainsi autant de paramètres à prendre en considération en linguistique historique. Le cours magistral a comme objectif d'identifier, à partir de l'histoire des territoires galloromans, la nature des interactions qui ont pu s'instaurer entre les facteurs externes et les données internes. Il prendra appui, notamment, sur les trois volumes de la Romanische Sprachgeschichte, dédiés en grande partie à l'histoire externe et dont le cours essaiera de fournir une synthèse commentée.

 

Carola Jäggi (Kunstgeschichte/Mittelalterarchäologie)

Gotische Architektur

Do 16:15-18:00, bis 23.5.

Die Vorlesung zur gotischen Architektur bildet den 3. Teil eines neuen Vorlesungszyklus zur Architektur des lateinisch-westlichen Mittelalters. Mit der Gotik ist eine Epoche im Blick, die durch kühne Wölbestrukturen und den Wunsch nach grosser Lichtfülle charakterisiert ist. In Form eines Überblicks werden in der VL zunächst die Anfänge der Gotik in Frankreich vorgestellt und danach die weitere Entwicklung in den verschiedenen Regionen des Reiches (Deutschland/Schweiz, Ostmitteleuropa, Italien, England) gezeigt. Angesichts der Materialfülle wird eine Einschränkung auf die Key monuments unumgänglich sein, daneben werden aber auch Themen wie die gerade für die Gotik paradigmatische Forschungsgeschichte und verschiedene Rezeptionsphänomene bis hinein ins 21. Jh. behandelt werden.

 

Peter Opitz (Kirchengeschichte)

Reformationsgeschichte

Mi 10:15-12:00

Die Vorlesung bildet zusammen mit der Vorlesung "Das Christentum der Neuzeit" das Modul KG 2 und kann vor oder nach dieser besucht werden. Der zeitliche Schwerpunkt des Grundkurses liegt im Zeitalter der Reformation bzw. der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1648). Behandelt werden die lutherische und die reformierte Reformation in ihren unterschiedlichen Ausprägungen in Theologie, Frömmigkeit und Sozialgestalt und in den politischen und kulturellen Zusammenhängen ihrer Zeit, aber auch das Täufertum und die katholische Reform im Umfeld des Trienter Konzils.

 

Philipp Roelli (Mittellatein)

Literaturgeschichte im Überblick III Das beginnende Hochmittelalter

Mi 10:15-12:00

Nach den vorangegangenen Vorlesungen über die Übergangszeit und die Karolingerzeit behandeln wir nun die spätkarolingische Zeit, das sogenannte saeculum ferreum (10. Jh.) und den Übergang zum Hochmittelalter. Einige wichtige Texte und Autoren dieser Zeit werden anhand repräsentativer Texte vorgestellt. Dabei kommen Fragen der Gattungsgeschichte, der Antikenrezeption und der allgemeinen Kulturgeschichte ebenfalls zur Sprache. Unter anderem werden besprochen: der Waltharius, Rather von Verona, Liutprand von Cremona, Hrotsvit von Gandersheim und der Ruodlieb. In dieser Veranstaltung wechseln sich die Vorstellung eines Autors oder Textes im Modus der Vorlesung mit der gemeinsamen Lektüre und Kommentierung eines repräsentativen Textabschnittes ab.

 

Lena Rohrbach (Nordistik)

Skandinavistische Mediävistik

Fr 09:00-09:45

Diese Vorlesung führt ein in zentrale Themen und Fragestellungen der skandinavistischen Mediävistik. In einem Rundgang durch die wichtigsten Medien und Gattungen der altnordischen Kulturgeschichte werden wir uns auch dem kulturhistorische Kontext und den materiellen Bedingungen der Dicht- und Schreibkunst im vormodernen Norden zuwenden. Der Fokus wird dabei auf der westnordischen (isländischen und norwegischen) Überlieferung liegen; in Seitenblicken werden wir aber auch Entwicklungen in Schweden und Dänemark mit in dem Blick nehmen.

 

Ludwig Rübekeil et. al. (Vergleichende Germanische Sprachwissenschaft)

Ringvorlesung historische Linguistik

Di 16:15-18:00

 

Sebastian Scholz (Geschichte)

Alltagsleben im Mittelalter

Mi 14:00-15:45, bis 22.5.

Die Vorlesung wird sich nach einem allgemeinen Überblick über die Gesellschaft im frühen Mittelalter mit wichtigen Einzelaspekten beschäftigen, welche das Leben des Einzelnen prägten. Dazu gehören etwa die Fragen nach Freiheit und Unfreiheit, nach Armut, Krankheit und sozialen Konflikten, nach dem Zugang zu und dem Umgang mit Bildung, nach der Bedeutung von Essen und Trinken sowie nach der Stellung der Frauen in der frühmittelalterlichen Gesellschaft. Die einzelnen Themenfelder werden quellennah auf Basis einer Vielzahl von Quellengattungen behandelt.

 

Mireille Schnyder (Germanistik)

Staunen

Di 10:15-12:00

Staunen (admiratio, stupor), ein Phänomen, dem nicht nur emotionale Qualitäten und kognitive Prozesse zugeschrieben werden, sondern das auch Teil einer reichen Tradition poetologischer und rhetorischer Vereinnahmung ist, wird in dieser Vorlesung in seiner theoretischen und poetischen Fassung vorgestellt. Dabei richtet sich das Augenmerk auf die Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis ins 17. Jh. Ausblicke in die Antike sowie die Moderne ergänzen die intensive Auseinandersetzung mit diesem scheinbar so bekannten Phänomen, dessen Konturierung und semantisch-diskursive Fassung sich jedoch nicht ganz so einfach fassen lässt. Dabei zeigen sich die verschiedenen Formen des Staunens als zentrale Momente der Reflexion, der Transgression und der Poiesis, als zentrale Momente der subjektiven Erkenntnis und kollektivierenden Darstellung. Damit ist Staunen nicht nur Anfang der Philosophie, wie bei Aristoteles und Platon zu lesen, sondern auch Anfang der Dichtung und zentrales Mittel der Kunst.

 

Simon Teuscher (Geschichte)

Die Schweiz im Spätmittelalter

Do 10:15-12:00, bis 23.5.

Die Vorlesung führt in die Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte des Raums der heutigen Schweiz zwischen 1200 und 1500 ein. Sie behandelt die Alte Eidgenossenschaft und ihre Orte als Akteure neben anderen. Mindestens so interessant sind die «schweizerischen Monarchien», die adligen und geistlichen Herrschaften mit ihren europäischen Verflechtungen. Thematische Schwerpunkte bilden in der neueren Forschung intensiv diskutierte Prozesse, die den ganzen Raum erfassten: Wie setzten sich neue ökologische Systeme der Landschaftsnutzung und der marktorientierten Wirtschaft (z.B. die Alpwirtschaft oder das Söldnerwesen) durch? Wieso kam es hier zu einer Vorherrschaft von Kommunen? Wie hängt die Ausbreitung neuer Lese- und Frömmigkeitskulturen mit den Verfolgungswellen (Waldenser, Hexen) und der Protestkultur im Vorfeld der Reformation zusammen? Ausgehend von solchen Fragen lassen sich altbekannte politische Ereignisse (Ermordung König Albrechts, die Beschwörung von Bundesbriefen, Morgarten, Marignano etc.) neu verorten und Forschungsprobleme an Quellenbeispielen veranschaulichen.

 

Andreas Thier (Rechtsgeschichte)

Rechtsgeschichte

Mi 10:15-12:00

In der Vorlesung sollen Recht und Rechtswissen einzelner historischer Epochen aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Dabei richtet sich der Blick nach einer kurzen Einführung in die Eigenheiten der Zeit zunächst auf die zeitspezifischen Typen rechtlicher Normativität, anschliessend wird nach den für die je behandelte Epoche prägenden Entwicklungen des Rechtswissens gefragt. Im nächsten Schritt wird die Bedeutung von Rechtswissen für die Bildung von Verbänden und Institutionen ins Blickfeld genommen, bevor dann die Steuerungsmechanismen und Steuerungswirkungen rechtlicher Normativität untersucht werden. Die Vorlesung setzt nach einer kurzen Einführung ein mit der Betrachtung des frühen und hohen Mittelalters, wendet sich dann dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zu, um schliesslich die Moderne zum Thema zu machen. Quellenauszüge sollen die Inhalte der Veranstaltung konkreter und anschaulicher machen.

 

Andreas Thier (Rechtsgeschichte)

Staatskirchen- und Kirchenrecht

Mo 10:15-12:00

Die Vorlesung setzt ein mit einer Einführung zu den Grundproblemen des Kirchenrechts. In einem zweiten Schritt wendet sich die Betrachtung kirchlichen und kirchenrechtlichen Selbstbeschreibungen der beiden grossen christlichen Konfessionen zu. Im dritten Schritt werden vor diesem Hintergrund zunächst staatskirchenrechtliche Grundstrukturen betrachtet, um dann in einem vierten Abschnitt staatskirchenrechtliche Organisationsmodelle der schweizerischen Kantone zu untersuchen. Auf dieser Grundlage werden in einem letzten Vorlesungsblock aktuelle staatskirchenrechtliche Problemfelder (etwa Kirchensteuer, Rechtsschutzfragen, Personal) detailliert analysiert.

 

Andreas Thier (Rechtsgeschichte)

Wirtschaftsrechtsgeschichte

Di 14:00-15:45

Die Veranstaltung wird die Entwicklung der Wirtschaftsverfassung, von Märkten und Marktmechanismen sowie die Organisation der Marktteilnehmer betrachten. Besonderes Gewicht hat dabei die Frage nach der Verflechtung mit dem historischen Wandel politischer Herrschaft, der gesellschaftlichen Ordnung und den kulturellen Rahmenbedingungen. Die Veranstaltung wird diese Phänomene jeweils im Zusammenhang von Mittelalter, früher Neuzeit und Moderne untersuchen. Einzelthemen sind dabei etwa die Entwicklung von Zünften und Gilden in der mittelalterlichen Stadt, die Entstehung von Fernhandelsgesellschaften und der Verlauf von Spekulationsblasen in der frühen Neuzeit, die Entstehungsbedingungen des Handelsrechts, die historischen Grundlagen des Aktienrechts und die Ausformung des Kartellrechts.

 

Olga Timofeeva (Anglistik)

History of the English Language, Part II (Lecture, BA)

Di 10:15-11:00

This two-semester module is an introduction to the history of English and to English historical linguistics. It is intended for Bachelor students in their second year (Vertiefungsstufe) and consists of two parts: a one-hour lecture and a two-hour seminar. The lecture provides an overview on the history of the English language from the Indo- European pre-history of English to the English spoken today. The seminar introduces the students to Old English (the language spoken and written in Britain between AD 450-1150) in the autumn semester and to Middle English (the language spoken and written in England between AD 1150- 1500) in the spring semester. The module gives an insight into these early forms of English, and enables students to read original texts in Old and Middle English with the help of glossaries. It also introduces some basic principles of English historical linguistics and of the study of medieval English literature. The module ends with a written examination. Please note that the module is obligatory. Participants are required to take both parts of the seminar with the same instructor.

 

Richard Trachsler (Romanistik)

Introduction à la littérature française du Moyen Age

Mi 12:15-13:45

Ce cours d’introduction veut présenter le contexte culturel du Moyen Age et illustrer les moments les plus importants de la tradition littéraire. Il fera connaître les différentes formes poétiques pratiquées dans la France médiévale et initiera à la lecture de quelques textes représentatifs, dont on commentera des passages du point de vue littéraire.

 

Richard Trachsler (Romanistik)

Le loup-garou à l'époque prémoderne

Mi 12:15-13:45

Dans ce cours, il s’agira de réfléchir sur la représentation du loup- garou à l’époque médiévale, mais aussi au XVIe siècle. Il existe, en ancien français et en latin, un petit corpus de récits brefs littéraires médiévaux, mettant en scène un loup-garou en général positif: mâle, beau, noble et victime de la trahison d’une femme qui le transforme en loup ou le condamne à rester loup. Au XVIe siècle tout change: le loup- garou devient réalité au moment des procès de sorcellerie. Il est toujours négatif et toujours marginal: pauvre, laid, inculte. On s’interrogera sur la raison d’être de cette opposition et on examinera de près les différentes caractéristiques de la créature, en particulier la transition qui définit le passage de l’état humain et l’état animal.

 

Claudia Zey (Geschichte)

Bildung und Unterricht im Mittelalter

Mi 10:15-12:00

Zentrale Bereiche unseres heutigen Bildungs- und Universitätssystems, wie z.B. die Studienabschlüsse Bachelor, Master und Lizenziat, haben ihre Ursprünge in der mittelalterlichen Bildungsgeschichte und den mittelalterlichen Unterrichtsformen. In dieser Vorlesung sollen in einem chronologisch-systematischen Überblick Lern- und Lehrinhalte, Schulformen für den elementaren und den höheren Unterricht, die gesellschaftliche Stellung von Lehrern und Professoren sowie Schülern und Studenten, die Frauenbildung und schliesslich die herrschaftliche Förderung des Schul- und Universitätswesens analysiert und auf ihre Relevanz für heutige bildungspolitische Diskussionen überprüft werden.

Seminare

 

Johannes Bartuschat (Romanistik)

Storiografia e letteratura nel Medioevo

Do 12:15-13:45, bis 23.5.

Il seminario si propone di studiare, attraverso una serie di esempi, i rapporti reciproci tra letteratura e storiografia dal Due al Cinquecento. Analizzando testi storiografici (tra cui la Cronica di Giovanni Villani) e testi letterari (tra cui Dante e Boccaccio) studieremo le modalità secondo le quali vengono rappresentati gli eventi storici. Cercheremo di identificare gli elementi di una "scrittura della storia" nel periodo, ma anche di ricostruire la visione e il concetto sottostanti di "storia", che essa sia storia contemporanea o storia di un passato più o meno remoto.

Si segnala che il 16 e 17 maggio il Romanisches Seminar organizza un convegno internazionale dedicato alla storiografia medievale in Francia ed in Italia.

 

Nathalie Büsser (Geschichte)

Bereicherung durch Ämter (BA)

Do 12:15-13:45, bis 23.5.

Die Geschichtswissenschaft betrachtet Ämter in der vormodernen Eidgenossenschaft nicht als Quelle für Reichtum. Vielmehr dominiert die auf den Soziologen Max Weber zurückgehende Vorstellung, dass Ämter in den Städten und Länderorten kaum oder gar nicht entlöhnt wurden. Wer ein Amt übernehmen wollte, so Webers Konzept der Honoratiorengesellschaft, musste über ausreichend ökonomische Mittel verfügen und abkömmlich sein. Weber fragte jedoch nicht, wie die Amtsträger eigentlich reich geworden sind und reich blieben. Hier setzt das Seminar an. Wir beschäftigen uns mit der Bewirtschaftung kommunaler Ämter in vormodernen Schweiz: mit Erträgen, Verflechtungen zwischen Amt und Geschäft, käuflichen und erblichen Ämtern, Oligarchisierung und nicht zuletzt der Rolle von Frauen – mit Phänomenen also, die nicht so recht zu unseren etablierten Bildern von Republiken und Kommunen passen. Daraus ergeben sich auch neue Perspektiven auf die Bedeutung von Ökonomie, Recht und Verwandtschaft für Staatsbildungsprozesse im Allgemeinen. Im Seminar besteht die Möglichkeit, mit unedierten Archivquellen und Methoden der Digital History zu arbeiten.

 

Julia Frick (Germanistik)

"Alle Länder sind voll Narren". Satire und Selbsterkenntnis in Sebastian Brants 'Narrenschiff'

Do 16:15-18:00, 28.2. bis 23.5.

Sebastian Brants 'Narrenschiff', das im Jahr 1494 'vff die vasenaht' in Basel erschien, ist das wohl berühmteste Buch seiner Zeit. Nicht nur wurde es unzählige Male nachgedruckt und in unterschiedliche europäische Volkssprachen übersetzt, sondern prägte auch die 'neue' Gattung der satirischen Narrenliteratur entscheidend mit. Brant inszeniert in seiner Dichtung unterschiedliche Narrentypen, die den Lesern ihre fehlgeleitete Selbsteinschätzung spiegelbildlich vor Augen halten sollen. Didaktisches Ziel ist dabei die Erkenntnis des eigenen Fehlverhaltens und dessen Korrektur als Folge. Im Seminar wollen wir anhand ausgewählter Themenkomplexe und Kapitel des 'Narrenschiffs' Brants Anliegen erschließen und mit Fragen nach den Textstrategien der Satire, der Medialität und Materialität konfrontieren. Denn Brant wusste das 'neue' Medium Buchdruck sehr gezielt für seine Zwecke zu nutzen. Im Rahmen des Seminars ist eine eintägige Exkursion nach Basel mit dem Besuch der dortigen Papiermühle geplant, um die historischen Konstellationen vor Ort sowie Einsichten in die Vorgänge der Buchproduktion erfahrbar zu machen.

 

David Ganz (Kunstgeschichte)

Kleidung im Bild (BA)

Mo 14:00-15:45

In der kunsthistorischen Forschung der letzten Jahre hat sich der Zusammenhang von Kleidung und Bild zu einem zentralen Thema entwickelt. Das aktuelle Interesse verdankt sich der Einsicht, dass die „zweite Haut" der Gewänder in Malerei wie Skulptur ein äußerst vielseitiges Element der Bedeutungsstiftung ist. An Beispielen aus der Bildkunst des Mittelalters und der beginnenden frühen Neuzeit will das Seminar in das breite Spektrum der Analyse von Kleidung im Bild einführen. Zum einen geht es dabei um die wichtige Rolle von realer Kleidung als sozialem Zeichenträger, die in den Gesellschaften der Vormoderne durch Kleiderordnungen reguliert wurde. Im Umgang mit solchen „vestimentären Codes" konnten Bilder ihre eigene „Kostümargumentation" (Philipp Zitzlsperger) entwickeln. Gewürdigt werden soll aber auch das formale Eigenleben, das üppig ausgebreitete Gewandoberflächen auf vielen Bildern der Vormoderne führen. Das oberflächennahe Spiel der Falten sorgt für eine regelrechte Einkleidung von Werken der Bildkunst, die weitere Möglichkeiten der Sinnstiftung eröffnet.

 

Martin-Dietrich Glessgen (Romanistik)

Le français devant la norme (fautes, réformes d'orthographe, linguistiques des profanes) (BA)

Mo 14:00-15:45

Le français est une langue avec une importante tradition de normalisation. Dès la fin du 13e siècle, la chancellerie royale engage un processus de formation d'une variété ‘exemplaire’ (Coseriu) et elle commence à diffuser cette première norme linguistique à travers le 14e siècle. La Renaissance connaît une ultérieure intensification dans l'élaboration de la norme écrite, autant par les grammairiens que par des auteurs comme Ronsard. Depuis le milieu du 17e siècle, la variété standard du français moderne peut être considérée comme établie et la Révolution instaure l'idéologie d'une langue nationale une et invariable. En conséquence, les attitudes envers le français contemporain s'articulent constamment autour de cet axe de norme écrite. La ‘faute’ linguistique joue un rôle important dans la formation scolaire et dans la discussion publique, les réformes d'orthographe soulèvent des débats intenses et l'on connaît un développement particulier de la linguistique des profanes qui s'interrogent sur le bien fondé des choix langagiers. Le séminaire souhaite retracer la formation d'une idéologie normative à travers les siècles et identifier ses conséquences dans les débats et la formation actuels. Nous étudierons les différents aspects par des études de cas spécifiques.

 

Martin-Dietrich Glessgen (Romanistik)

L'étymologie française: questions ouvertes

Di 10:15-12:00

L'étymologie est une des branches les plus anciennes des Sciences du Langage. La réflexion sur les liens de parenté et de descendance entre les langues a joué un rôle déterminant dans la genèse de la linguistique moderne. En romanistique, l'étymologie a connu un développement exceptionnel, grâce à la bonne documentation diachronique et variationnelle des langues latine et néolatines. Le séminaire a comme objectif premier de mettre en relief les méthodes constitutives et les buts de la recherche étymologique à l'heure actuelle. Nous prendrons également en considération le fondement cognitif des relations de parenté lexicale, sous-jacentes à l'étymologie. Les travaux s'articuleront autour de deux axes de réflexion principaux: (1) la mise en relief des traditions étymologiques romanistes dédiées au français (notamment la tradition française et la tradition suisse représentée en premier lieu par l'école de W. v. Wartburg), (2) l'application des principes ainsi établis dans l'identification concrète de la trajectoire étymologique d'un ensemble donné de lexèmes.

 

Ragnheidur Maren Hafstad (Nordistik)

Einführung ins Altnordische (BA)

Fr 10:15-12:00

Der Besuch dieser Einführung soll dazu befähigen, einen einfachen Prosatext in altisländischer Sprache zu verstehen. Anhand intensiver Lektüre soll ein Überblick über die lautlichen, morphologischen und syntaktischen Strukturen des Altnordischen gewonnen werden. Ebenso wird das Arbeiten mit einschlägigen Hilfsmitteln (Sprachgeschichten, Wörterbüchern, Grammatiken, Bibliographien, Sekundärliteratur, Übersetzungen) eingeübt. Die Textlektüre bildet zudem eine Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der isländischen Sagaliteratur des 13. und 14. Jahrhunderts und vermittelt Einblicke in verschiedene Aspekte der geistigen und materiellen Kultur im mittelalterlichen Skandinavien. Es findet eine Abschlussklausur statt. Dieses Modul ist zweisemestrig und wird im Herbstsemester 2018 mit einem zweiten, thematischen Seminar fortgesetzt, das separat abgeprüft wird. Literatur: Texte und Arbeitsblätter werden in Kopieform verteilt (Details ab Semesterbeginn auf OLAT).

 

Carola Jäggi, Andrea Rumo (Kunstgeschichte/Mittelalterarchäologie)

Einführung in die Architektur (BA)

Di 14:00-15:45

Um kompetent über Architektur sprechen zu können, braucht es ein Vokabular und das Wissen um die Entwicklungsgeschichte einzelner Bautypen, Bauformen und Bauteile. Im Seminar soll dieses Vokabular vermittelt und eingeübt werden. An Beispielen namentlich aus dem Bereich der mittelalterlichen (Sakral-)Architektur werden die verschiedenen graphischen Darstellungsformen vorgestellt, ferner historische Baumaterialien und Bautechniken gezeigt und ein Überblick über traditionelle Bautypen und ihre Varianz gegeben.

 

Carola Jäggi (Kunstgeschichte/Mittelalterarchäologie)

Klöster des 5.-15. Jh.: Monastisches Leben zwischen Normativität und Wirklichkeit

Mi 14:00-15:45

„Nichts hat die abendländische Kultur so stark geformt wie die seit der Spätantike bestehenden Orden und Klöster. Ohne die klösterlichen Skriptorien und Bibliotheken wäre uns heute kein antikes Werk überliefert. Klöster haben mit ihren Schulen weit über den eigenen Nachwuchs hinaus Bildung vermittelt. Sie waren wirtschaftliche, politische, künstlerische und nicht zuletzt spirituelle Mittelpunkte." (Schwaiger, Georg/Heim, Manfred: Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, München 2008). Klöster waren vor allem aber auch - und dieser Aspekt wird im Seminar zur Hauptsache interessieren - gebaute Mikrokosmen, die nach bestimmten Regularien organisiert waren. Das Seminar setzt sich zum Ziel, die normativen Vorgaben, wie sie in den verschiedenen Ordensregeln festgehalten sind, mit archäologischen und bauhistorischen Befunden abzugleichen und dadurch zu evaluieren, wie in den einzelnen Klöstern normative Vorgaben u. U. abgeändert und an die lokalen Gegebenheiten angepasst wurden. Es werden KLöster und monastische Konzepte von den Anfängen des Klosterwesens im spätantiken Ägypten bis zu den neuen Orden im Spätmittelalter im Blick unserer Betrachtungen sein.

 

Hildegard E. Keller (Germanistik)

Gottfried Keller und das Zürcher Mittelalter

Mo 14:00-18:00, alle 2-3 Wochen, ab 25.2.

Gottfried Keller hat am 19. Juli 2019 seinen 200. Geburtstag. Das Jubiläum wird in Stadt und Kanton Zürich auf vielfältige Weise gefeiert. Dieses Seminar steht im Kontext der Feierlichkeiten und bietet den Studierenden die Chance zu mediävistischer Praxis und zu Multimedia- Storytelling. Der Ausgangspunkt für unsere Auseinandersetzung mit Kellers Werk werden ausgewählte Novellen sein. Er griff immer wieder historische Stoffe auf und stellte Figuren aus Spätantike und Mittelalter ins Zentrum. Das Schreiben aus zeitlicher Distanz, also ohne unmittelbaren Erfahrungsbezug, forderte ihn ganz besonders heraus: "In einer historischen Erzählung bin ich wie mit Hunden gehetzt, weil ich nie weiss, ob ich in der Wahrheit stehe." Die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen multimediales Storytelling. Das Seminar richtet sich an Studierende, die den Umgang mit audiovisuellen Medien für Ihr Studium oder ihr Berufsleben lernen wollen. Die Leistungsnachweise für MA 554 bzw. MA 555 werden an das multimediale Storytelling angepasst. Weitere Informationen bekommen Sie in der ersten Sitzung.

 

Christian Kiening (Germanistik)

Faszination und Negation: Die Historien von Faust und Wagner

Mi 10:15-12:00, ab 27.2.

Die Faustfigur erfuhr im Druck von 1587 eine erste literarische Ausprägung, die von der Faszination an der Magie lebt und diese zugleich in ein Negativexempel verwandelt. Im Seminar unternehmen wir vor dem Hintergrund einer kontroversen Forschung eine genaue Lektüre des Textes und seiner Kontexte ebenso wie der Fortsetzung der Geschichte im Buch von Fausts Schüler Wagner (1593). Es wird die Bereitschaft zur vertieften Auseinandersetzung mit frühneuzeitlicher Literatur und Kultur erwartet.

 

Susanne Köbele (Germanistik)

Forschungsseminar: Literarische 'Form'?

Do 10:15-12:00, bis 23.5.

Forschungsorientiertes Seminar zur Frage: Wie sieht 'Literaturtheorie' aus in einer Epoche, die, wie man gesagt hat, 'Literatur vor der Literatur' produziert? Gemeinsam lesen wir Primärtexte in Auszügen (mittelalterliche Poetiken und literarische Texte) sowie ausgewählte Sekundärliteratur. Mögliche Schwerpunkt-Themen unserer Diskussion sind: das Konzept des 'Wiedererzählens' (forma und materia, amplificatio und abbreviatio); literarischer 'Manierismus' im Spätmittelalter; gibt es eine "Semantik" der Form? ironische Reime?; historische Gattungskonzepte; Gattungszwänge, Gattungsspielräume, Gattungskonkurrenzen; 'Symbolstil' im frühen Minnesang; Meisterschaftsdiskurse im Sangspruch; die Legitimität von 'Ritterromanen'; schließlich die spannende Frage nach historischen (und modernen) Bewertungskategorien für Literatur.

 

Max Lieberman (Geschichte)

Besonnenheit, Raserei, Trance: Geschichte der Geisteszustände im Mittelalter (BA)

Mi 10:15-12:00

Lässt sich entlang der Emotionengeschichte einerseits und der Geschichte des Wahnsinns andererseits auch eine Geschichte der Geisteszustände im Mittelalter schreiben? Wir suchen im Seminar nach Antworten auf diese Frage, zunächst indem wir Quellenbegriffe für "Geist" in verschiedenen mittelalterlichen Sprachen untersuchen, sowohl im Latein als auch in Volkssprachen; aber auch indem wir uns mit philosophisch-theologischen Debatten über die Seele befassen; mit dem (Aber)glauben an Dämonen und Besessenheit; mit dem Verständnis von und Umgang mit Geisteskrankheiten; mit Mystikern, Propheten, Visionären und Wachträumern; mit Alkohol- und Drogenrausch sowie Halluzinationen; und nicht zuletzt mit Berserkern. Der Schwerpunkt liegt auf dem hohen und späteren Mittelalter.

 

Coralie Rippl-Uhlenhut (Germanistik)

Erzählen zwischen Gott und Welt um 1200 (BA)

Mi 14:00-15:45, ab 27.2.

Gott und der Welt gefallen: Diese doppelte Referenz ist ein Kulturspezifikum des 'christlichen Mittelalters'. Doch wie 'christlich' (oder 'säkular'?) das Mittelalter genau ist, wo die 'Welt' aufhört und 'Gott' anfängt, wie sich religiöses zu höfischem Erzählen verhält, kann für Gesellschaft wie Literatur des Mittelalters vielleicht nur dann beantwortet werden, wenn man induktiv vorgeht. Der intrikaten Gemengelage von 'Geistlichem' und 'Weltlichem' ist für die Literatur des Mittelalters nur anhand präziser Fallstudien beizukommen. Im Anschluss an die vom 27.2.-1.3.2019 am Deutschen Seminar stattfindende Tagung "Idiosynkrasien zwischen Gott und Welt. Zur Emergenz von Erzählkonzepten der mhd. Literatur um 1200" wollen wir uns mit ausgewählten Problemkonstellationen aus dem Bereich höfischen Erzählens tiefergehend beschäftigen: Haupttexte sind der "Gregorius" Hartmanns von Aue und der "Wigalois" Wirnts von Grafenberg, deren abgeschlossene Lektüre zu Seminarbeginn vorausgesetzt wird. Weitere Texte werden in Ausschnitten behandelt, welche auf OLAT bereitgestellt werden. Achtung: Wegen der Tagung wird die erste Sitzung des Seminars um eine Woche verschoben auf den 6.2.19. Die Seminarteilnehmer/innen sind jedoch sehr herzlich eingeladen, als Vorbereitung auf das Seminar die Vorträge der Tagung zu hören. Sie finden das Programm sowie weitere Informationen unter https://www.ds.uzh.ch/de/tagungen/idiosynkrasien.html Empfohlene Ausgabe: Wirnt von Grafenberg: Wigalois. Text der Ausgabe von J.M.N. Kapteyn übers., erl. u. mit einem Nachwort versehen von Sabine Seelbach und Ulrich Seelbach. Berlin/New York 2005. Online zugänglich über: https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/17562 . Zur methodischen Vorbereitung lesen Sie bitte: Müller, Jan-Dirk: Wie christlich ist das Mittelalter oder: Wie ist das Mittelalter christlich? Zum 'Herzmaere' Konrads von Würzburg. In: PBB 137 (2015), S. 396-419.

 

Ludwig Rübekeil et. al. (Vergleichende Germanische Sprachwissenschaft)

Einführung ins Gotische

Di 12:15-13:45

Wulfilas gotische Bibelübersetzung aus dem 4. Jh. repräsentiert die früheste umfangreichere Textüberlieferung in einer germanischen Sprache. Das Gotische ist dadurch einerseits die älteste germanische Sprachstufe mit einer umfassend belegbaren Grammatik und steht andererseits den rekonstruierten Vorstufen der germanischen Sprachen am nächsten. In diesem Einführungskurs wird sowohl die Sprachkompetenz als auch die Kenntnis der sprachvergleichenden Grundlagen vermittelt; die Ziele sind: 1. in die synchrone gotische Grammatik einzuführen, 2. das sprachhistorische Umfeld zu beleuchten und 3. anhand des Gotischen einen Blick in die Diachronie der germanischen Sprachfamilie zu werfen, wobei dem Vergleich mit dem Althochdeutschen besonderes Gewicht zukommt. Vorausgesetzt werden Grundkenntnisse der synchronen und diachronen Linguistik, alternativ die Kenntnis einer anderen altgermanischen Sprache bzw. die abgeschlossene Orientierungs-/Basisstufe (BA).

 

Ludwig Rübekeil et. al. (Vergleichende Germanische Sprachwissenschaft)

Essen, Trinken und Bewirtung: Der Wortschatz in den älteren germanischen Sprachstufen

Mi 14:00-15:45, bis 22.5.

Wenn man sich heutzutage zu gesundheitlichen Fragen informieren will, bzw. unter gesundheitlichen Herausforderungen leidet, ist der Blick ins Internet wohl einer der ersten Schritte, um sich dem entsprechenden Themenkreis anzunähern. Erkrankt man, informiert man sich vielfach entweder vor oder nach einem (ärztlichen) Beratungsgespräch medial. Die Informationen werden im Internet in einer gleichwertig anmutenden Form dargestellt: Expertise, Professionalität und Laientum ist unter Umständen nur implizit markiert. Alternativen, komplementären und/oder gesundheitsfördernden Angebote kommt medial eine besondere Rolle zu, da sie in den Fächer klassischer Ansätze eingebunden werden. Der mündige Patient, die mündige Patientin muss deshalb aus einer Vielzahl von Angeboten die geeignete, für seine/ihre Fragestellung angemessene Texteinheit und Information herausfiltern. Die Interaktionsgebote sind sowohl mono- und dialogisch aufgebaut: Medizinisch relevante Informationstexte finden sich neben alltagssprachlich formulierten Laiendarstellungen, dialogischer Austausch in ExpertInnenforen sind parallel zu Forumsbeiträgen von Laien aufgelistet. Je nach medialem Kanal werden die Texte sprachlich unterschiedliche realisiert. Im Rahmen dieses Seminars werden mündliche und schriftliche Texte im Fokus sein, die sich in den letzten Jahren etabliert bzw. sich neu ausgebildet haben: Sprachliche Beratung in Foren, Blogs, Chats und WhatsApps, Anfragen/Antworten per Mail zu gesundheitlichen Themen, Erzählungen, Berichte, Klagen und Beschwerden. Daneben spielen ebenso mündliche Einheiten eine Rolle, wie z.B. Arzt/Ärzting- PatientInnengespräche, Pflegegespräche, Gespräche mit der Spitex etc. eine Rolle. Speziell interessieren Narratives, Muster und Praktiken, die in diesen neuen Ausprägungen und medialen Kombinationen funktionalisiert werden und unter Umständen multimodal eine textvernetzende Rolle spielen. Ziel des Seminar ist es, die reichhaltigen Anforderungen kommunikativer Aspekte im Bereich von gesundheitsrelevanten Fragen aus dem medialen Blickwinkel genauer zu kennen, deren sprachlichen und kommunikativen Besonderheiten und Anforderungen einschätzen zu können und in den Kontext einer multimodalen Gesundheitskommunikation zu stellen. Erwartet wird eine aktive Beteiligung in den einzelnen Seminarsitzungen (Präsentation, Diskussion) sowie auf der E-Learningplattform "Moodle".

 

Luigina Rubini Messerli (Germanistik)

Wunderbare Länder und Städte: Literatur und Bilder

Fr 14:00-15:45

Das Seminar widmet sich als eine Erkundung der imaginären, wunderbaren Orte, Länder und Städte bzw. Burgen, für die die mittelalterliche und frühneuzeitliche Literatur grosses Interesse und Faszination gezeigt haben. Wohnstätten des Wunderbaren sind Orte wie das irdische Paradies, dessen Existenz nur in der Bibel bezeugt ist, oder das Reich des Priesterkönigs Johannes, das auf einen fingierten Brief zurückgeht, die insula perdita (die verlorene Insel) des heiligen Brandan, die Gralsburg(en) der Artusepik, das Schlaraffenland, ein Reich von Müssigang und Überflusses, und das Paradies der Neuen Welt. Wenn diese utopischen Orte nie existiert haben, wurden sie doch zum Anlass für Eroberungs- und Erkundungsunternehmungen. Im Mittelpunkt des Seminars sollen die Strategien der Beschreibung, die rhetorischen Alteritätskonstruktionen, das Herausfinden der (auch antiken) Muster solcher "Topographien der Sehnsucht", die Diskussion um die Grenzen und Grenzverschiebungen sowie die jeweilige Auseinandersetzung mit der eigenen Welt stehen. Neben literarischen Texten wie Epik, heiligen Legenden, Reiseberichten, höfischen Versromanen werden kartographische Darstellungen, mappae mundi, Miniaturen und, soweit vorhanden, Holzschnitte herangezogen.

 

Sebastian Scholz (Geschichte)

Die Westgoten. Politik, Recht und Gesellschaft (BA)

Do 16:15-18:00, bis 23.5.

Das Kolloquium wird sich mit der Wechselwirkung zwischen Normierung und gesellschaftlicher Entwicklung im Frankenreich vom 6. bis zum 9. Jahrhundert beschäftigen. Zu den Themenkomplexen gehören die Frage der Steuererhebung, die Stellung der Frau, der Umgang mit Sklaven, die Bedeutung der Kirche sowie weitere Themen. Dabei werden die Normen und ihre Umsetzung in den Blick genommen und ihrem Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft nachgegangen.

 

 

Stefan Sonderegger (Geschichte)

Alpwirtschaft im Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Fr 10:15-12:00

Die Schweiz besteht zu weiten Teilen aus Bergen. Entsprechend gross ist der Anteil jener Bevölkerung, deren Lebensalltag seit Jahrhunderten von der Alpwirtschaft und deren kulturellen Ausdrucksformen geprägt ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Vieh; das Spruchband auf einer Appenzeller Bauernmalerei aus dem 19. Jahrhundert bringt dies unmissverständlich zum Ausdruck: "Die Kuh ist freilich nur ein Thier, doch wie nützlich ist sie dir." Grundlagen für das Seminar bilden nebst historischen Beschreibungen der Alpwirtschaft edierte und unedierte Alpordnungen, Urkunden, Rechnungen. Es soll unter anderem folgenden Fragen nachgegangen werden: Wie funktionierte die Produktion in den Alpen, und wie prägte sie das Leben der Bewohner alpiner Gebiete? Welche Verbindungen bestanden zwischen Berg und Tal, und wie wurden die Produkte - Butter, Käse, Vieh - vertrieben? Wer war Eigentümer von Alprechten? Wie gross waren kollektive Absprachen unter den Alpnutzern? Wie frei waren die Bauern bei der rechtlichen und wirtschaftlichen Organisation, oder gab es starke herrschaftliche Bindungen? Von Interesse sind auch spezifische Ausdrucksformen der alpinen und voralpinen Kultur, die beispielsweise in den so genannten Bauernmalereien des 18. und 19. Jahrhunderts und Reisebeschreibungen einen Höhepunkt erreichten und zu Klischees einer Hirtenromantik führten. Durch den Beizug bislang unbekannter Primärquellen wird auch das Lesen und Interpretieren von handschriftlichen Dokumenten trainiert. Paläografische Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Es ist zudem eine Exkursion vorgesehen.

 

Simon Teuscher (Geschichte)

Der Reichtum der Armen? Schulden vor dem Zeitalter der Finanzwirtschaft

Di 10:15-12:00

Bevor die Kreditvergabe hauptsächlich zur Aufgabe der Banken wurde, betätigten sich breite Kreise der Bevölkerung gleichzeitig als Schuldner und Gläubiger. Denn im Spätmittelalter gab es kaum ein Kauf- oder Zahlungsgeschäft bei dem sich die Leute nicht verschuldeten. Schulden begründeten Netzwerke und Abhängigkeiten (bis hin zur sogenannten Schuldknechtschaft) und standen im Mittelpunkt von Heirats- und Patenschaftsbeziehungen. Gerade auch Frauen hielten als Gläubigerinnen bisher zu wenig thematisierte Schlüsselstellungen. Dies alles wurde auch in zeitgenössischen Theaterstücken, Schandgedichten und Bildern kritisch kommentiert. Im Seminar beschäftigen wir uns zum einen mit aktuellen geschichtswissenschaftlichen Debatten über die Rolle der Verschuldungsformen für die Koppelung von Reichtum und Macht respektive Armut und Ohnmacht. Zum anderen arbeiten wir exemplarisch mit einem erst vor wenigen Jahren entdeckten Hauhaltbuch aus der ländlichen Schweiz des 15. Jahrhunderts.

 

Olga Timofeeva (Anglistik)

Beowulf and Old English heroic poetry

Mo 14:00-15:45

This course proposes a philological and linguistic analysis of the Old English poem Beowulf and minor heroic poems. The linguistic part of the seminar will be dedicated to select readings from the original poem, including the three monster fights. We will take a close look at the specifics of Old English poetic grammar and rhetoric and set these against the background of a wider Germanic and Indo-European context. Our philological analysis will be further enlightened by the structuralist approaches to fairy-tale, such as the classical Morphology of the Folktale by Vladimir Propp.

 

Richard Trachsler (Romanistik)

Comment éduquer la jeunesse. La littérature "de conduite" au Moyen Age

Di 16:15-18:00

La littérature dite « de conduite » rassemble un ensemble de textes qui donnent des conseils sur le comportement à adopter dans la vie ou dans certaines situations de la vie. Ils s’adressent à ceux qui en ont besoin : les jeunes, les femmes et ceux qui doivent (ré-)apprendre les gestes et les mouvements quand ils changent de milieu, surtout les étrangers ou ceux qui arrivent, par exemple, à la cour. Nous essaierons d’interroger un choix de ces textes pour reconstruire une partie de la réalité quotidienne que règlent ces oeuvres quand elles prescrivent une certaine forme de rapports entre les membres qui composent une société donnée. Nous essayerons aussi de lire, dans les manuscrits médiévaux, un petit texte destiné à l’éducation des enfants et un autre, détaillant les manières de table.

 

Claudia Zey (Geschichte)

Universitäten im Mittelalter

Mi 14:00-15:45

Im Rahmen dieses Seminars soll untersucht werden, wie mittelalterlichen Universitäten funktionierten. Wer hatte Zugang zur universitären Bildung, wir wurde eine Universität im Mittelalter verwaltet, wie gestaltete sich das studentische Leben, was wurde gelehrt und gelernt, welche Examina konnten gemacht werden, wie sahen die Berufschancen mit einem universitären Abschluss aus? Diese und weitere Fragen sollen anhand einschlägiger Quellen zum universitären Leben im Mittelalter beantwortet werden.

 

Philipp Zimmermann (Geschichte)

Grundlagen von Herrschaft und Staatlichkeit im frühen Mittelalter (BA)

Di 16:15-18:00

„Herrschaft" und „Staat" sind Begriffe, die für das frühe Mittelalter äusserst kontrovers diskutiert werden. So wird zum Beispiel in Frage gestellt, ob für das Frühmittelalter überhaupt von Staat gesprochen werden kann. Insbesondere in verschiedenen nationalen Forschungstraditionen fällt die Verständigung schwer, da sich die Begriffe in ihrem Bedeutungsgehalt zum Teil massiv unterscheiden. Der deutsche Begriff „Herrschaft" beispielsweise, lässt sich kaum in andere Sprachen übersetzen. Dies erschwert die Untersuchung frühmittelalterlicher Staatsentwicklung massiv. Das Seminar wird sich daher zum einen mit der Verwendung dieser Begriffe in der Forschung auseinandersetzen, zum anderen versuchen, unter Berücksichtigung der begrifflichen Schwierigkeiten, Funktionsweisen frühmittelalterlicher Gesellschaften herauszuarbeiten. Gefragt werden soll dabei nach den Wirkformen bei der Herausbildung frühmittelalterlicher Staatlichkeit ebenso wie nach ihren Entwicklungen, Elementen und Grenzen.

Kolloquien, Übungen, Exkursionen

 

Maximilian Benz, Seraina Plotke (Germanistik)

Das Phantasma einer Höfischen Kultur?

22.2. 14:00-20:00, 23.2. 10:00-18:00, 8.3. 14:00-20:00, 9.3. 10:00-18:00

Die erhaltenen volkssprachigen Texte des hohen Mittelalters, die wir mit einem etwas emphatischeren Begriff Literatur nennen, entstanden grösstenteils im Zusammenhang der sogenannten Höfischen Kultur, deren Vorgaben die Konstituierung und Ausprägung dieser Texte entscheidend prägten. Doch was ist darunter eigentlich zu verstehen? Lässt sich überhaupt von einer homogenen Höfischen Kultur sprechen? Welche Rolle spielen (hinsichtlich ihrer Genese wie auch der weiteren Entwicklungen) genuin geistliche Traditionen? In einem intensiven Seminar wollen wir diesen Fragen nachgehen, die nur in komparatistischer und interdisziplinärer Perspektive adäquat zu beantworten sind. Neben zentralen Grundlagentexten zur Erforschung der Höfischen Kultur (C. Stephen Jaeger, Joachim Bumke) werden wir auch konkrete mittelalterliche Zeugnisse, v.a. der deutschen und französischen Literatur, untersuchen. Schwerpunkte liegen in den Bereichen der Epik und der Liebeslyrik. Ebenfalls in den Blick genommen wird die Frage, inwiefern sich die Höfische Kultur transformiert, wenn sie in einen städtischen Zusammenhang (etwa denjenigen Zürichs oder Basels) überführt wird.

 

Christian Di Giusto (Geschichte)

Ad fontes: Mit Quellen im Archiv umgehen (BA)

Di 14:00-15:45

Zu den Kernkompetenzen von HistorikerInnen gehört das Finden, Lesen, Verstehen und Interpretieren von Quellen. Dabei ist der erste Gang ins Archiv auf der Suche nach Quellen oft beschwerlich und gerade Handschriften aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit wirken fremd und hermetisch. Das Kolloquium soll diese und andere Hürden im Umgang mit Archivalien abbauen und spezifische Werkzeuge und Techniken vermitteln: Wir werden uns mit Archivierungspraktiken auseinandersetzen, Suchstrategien und Findmittel erproben, konkrete Überlieferungssituationen und Herstellungskontexte diskutieren, Dokumente transkribieren und datieren und vieles mehr. Um Schriftstücke verschiedener Art im Original betrachten und damit auch in ihrer Materialität als Objekte fassen zu können, sind Archivbesuche geplant. Vorbereitend und zur Vertiefung werden Module der Internet-Lernplattform «Ad fontes» (www.adfontes.uzh.ch) gelöst.

 

Daniela Fuhrmann, Thomas Müller (Germanistik)

Siegfried goes YouTube. Alte Mären in neuen Medien

Do 16:15-18:00, bis 23.5.

Dass uns in alten maeren wunders vil geseit ist, steht so zumindest in der Hohenems-Donaueschinger Handschrift des Nibelungenlieds. Damit stellt einer der bekanntesten literarischen Texte des Mittelalters einen Verschriftungsprozess aus, den bis anhin eher mündlich tradierte Erzählungen offenkundig erfahren haben sollen. Dass die alten maeren auch später immer wieder in neue Medien eingegangen sind, liesse sich an der mindestens ebenso bekannten Rezeptionsgeschichte zu diesem mittelhochdeutschen Heldenlied ablesen. Im Kolloquium werden wir jedoch einen anderen Weg gehen – oder: Siegfried goes YouTube! Die analytische Auseinandersetzung mit vormoderner Literatur soll hier selber in den neuen Medien stattfinden. Zu ausgewählten Aspekten des Texts, die in den Sitzungen gemeinsam erarbeitet werden, sind im Team kurze Videos und Podcasts zu entwickeln, die zu einem späteren Zeitpunkt als Open-Access-Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden sollen. Der erweiterte Gestaltungsspielraum verspricht innovative und kreative Zugänge zur Textgrundlage. Die Verschränkung von fachwissenschaftlichem Zugang und multimedialer Bearbeitung kann so zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem literarischen Text anregen, ohne dabei an einen vornehmlich schriftsprachlichen Denkmodus gebunden zu sein. Auf diese Weise kommen nicht zuletzt auch die klanglichen und visuellen Besonderheiten vormoderner Literatur gemäss ihrer historischen Bedeutsamkeit zur Geltung. Das Kolloquium bildet den Kick-off zu einer Reihe von Veranstaltungen, die über mehrere Semester verschiedene für unser Fach einschlägige Primärtexte zugrunde legen, jedoch unabhängig voneinander besucht werden können. Indem hier Literaturunterricht und Medienproduktion miteinander verbunden werden, erfordert der Veranstaltungsbesuch eine erhöhte Leistungsbereitschaft sowie ein Interesse, sich auf experimentelle Lehrformate einzulassen, die Videos und Podcasts als einen zur Schriftlichen Übung alternativen Leistungsnachweis erproben. Teilnahmevoraussetzung: Das Nibelungenlied sollte im Vorfeld der Veranstaltung gelesen sein. Beschreiben Sie bitte zudem auf max. einer A4-Seite, welche Chancen und Risiken Sie in der Analyse von älterer deutscher Literatur in einem neuen Medienformat sehen. Beziehen Sie sich dabei am besten direkt auf den Primärtext. Abgabe: Bis 15. Februar 2019 als PDF an siegfriedmedial@gmail.com Ausgabe: Das Nibelungenlied. Nach der Handschrift B hg. v. Ursula Schulze. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert v. Siegfried Grosse. Stuttgart 2010 (RUB 18914).

 

 

Maximilian Gamer (Mittellatein)

Kursorische Lektüre: Alexander im lateinischen Mittelalter

Mi 16:15-18:00, bis 22.5.

Der Lektürekurs wird den verschiedenen (und zahlreichen) Spuren Alexanders des Großen in der lateinischen Literatur des Mittelalters folgen: in Erscheinung tritt er hier in Historiographie und epischer Dichtung, als exemplum und in den Bearbeitungen des Alexanderromans, aber auch als zentrale Figur geheimwissenschaftlicher Texte. Schwerpunkt des Kurses ist neben einer Kontextualisierung des Alexanderbilds v.a. die gemeinsame Lektüre der lateinischen Quelltexte. Voraussetzung für die Teilnahme sind Lateinkenntnisse, für das Bestehen neben den Anforderungen des jeweiligen Studienfaches die regelmäßige aktive Beteiligung in den Sitzungen.

 

David Ganz (Kunstgeschichte)

Forschungskolloquium Mittelalterliche Bildkünste

Mo 16:15-20:00, alle 2-3 Wochen, ab 25.2.

 

Tobias Hodel, Bettina Schöller (Geschichte)

Lindenhof Reloaded: Zerstörte Paläste und Burgen rekonstruieren

Mo 14:00-15:45

Nachbildungen „des Mittelalters" sind längst in allen Sparten der Populärkultur angelangt, gerade auch in digitalen Medien wie vom Mittelalter inspirierten Games und Open-World-Spielen. Die Kritik von historischer Seite an diesen verallgemeinernden und verzerrenden Vorstellungen der Epoche füllt Bände. Doch könnten die unbegrenzten Möglichkeiten dieser digitalen Nachbildungen nicht auch für die Wissenschaft nutzbar gemacht werden? Ziel des Kolloquiums ist es neue Darstellungsformen des Mittelalters mit digitalen Mitteln zu erproben und diese zu reflektieren. Das mittelalterliche Zürich eignet sich optimal zum Austesten, da die Stadt archäologisch gut untersucht und viele Gebäude (insbesondere die Pfalzen auf dem Lindenhof) nicht mehr sichtbar sind. Das Kolloquium ist ein Versuch, die historisch-kritische Darstellung einer Epoche um eine neue Form zu erweitern.

 

Carola Jäggi (Kunstgeschichte/Mittelalterarchäologie)

Exkursion Nordafrika

Nach Ankündigung

Die Exkursion wird zusammen mit Prof. Dr. Christa Ebnöther, Professorin für Archäologie der Römischen Provinzen an der Univ. Bern, angeboten.

Exkursion ca. 12 Tage, 1. Hälfte Febr. 2019 Anmeldung über Prof. Jäggi.

 

Susanne Köbele (Germanistik)

Text und Kommentar. Überraschende Konstellationen

Do 14:00-15:45, bis 23.5.

Das Wort "Kommentar" geht zurück auf lateinisch commentus ("das ins Gedächtnis gerufene"). Bereits im Altertum gab es Kommentare, erläuternde Schriften zu religiösen, philosophischen oder auch literarischen Texten. Im Mittelalter waren besonders einflussreich die gelehrten Bibelkommentare, die mit der Lehre vom mehrfachen Schriftsinn eine faszinierende Bedeutungsvielfalt produzierten und auf die volkssprachliche Literatur zurückwirken. In der humanistischen Philologie der Renaissance entstehen dann im Rückgriff auf die Antike wieder andere Kommentar-Traditionen, in Konkurrenz mit den etablierten mittelalterlichen Mustern, wobei sich zunehmend auch die Sprachmedien und Diskurse mischen dürfen. Diese Art gelehrter literarischer Kommentierung führt in die Neuzeit, sei es in die Editorik, als Einzelstellen-Kommentierung, sei es in die wertende Literaturkritik der Journale bzw. die Textwissenschaften an den Universitäten. Im Kolloquium diskutieren wir nicht die bekannten Fälle, sondern, wie im Titel versprochen, Überraschendes.

 

Susanne Köbele (Germanistik)

"wilde bilde". Phantasie im Mittelalter

Mi 14:00-15:45

Die Geschichte der Phantasie nimmt sich wie der ständig wechselnde Versuch aus, sie zu zähmen, damit sie nicht außer Kontrolle gerate. Der Flug der Phantasie (z.B. als wilder Falke) kann in ein und derselben Strophe an den Sturz des Ikarus oder auch den Sturz Luzifers gekoppelt sein. Die poetische, religiöse, spekulative und erotische Phantasie scheint insbesondere im Mittelalter von steten Kontrollversuchen begleitet. Parallel zu ihrer Abwertung ist sie als produktive Einbildungskraft aber immer auch geachtet und zunehmend aufgewertet worden, mit dem Argument, daß sie in der Lage sei, die Fragmente der Erinnerung zu kombinieren und dem Verstand zur Synthese zu übergeben. Bis zur Absolutsetzung einer vernunftüberlegenen "geflügelten" Phantasie und Hochschätzung des "Imaginären" in der Neuzeit ist es ein weiter Weg. Auf diesen windungsreichen Weg begeben wir uns im Seminar und lesen eine Auswahl an Texten, die dokumentieren, wie literarisch produktiv gerade im Mittelalter die Ambivalenz der anthropologischen und poetologischen Kategorie "phantasia" war.

 

Lena Rohrbach (Nordistik)

Aktuelle Ansätze in der skandinavistischen Mediävistik

Fr 10:15-11:00

In diesem Kolloquium werden wir neuere Publikationen aus dem Feld der skandinavistischen Mediävistik gemeinsam lesen und diskutieren sowie auf ihre Einbettung in aktuelle allgemeinere Trends in der kulturwissenschaftlichen Forschung befragen. Dabei werden wir auch die Übertragbarkeit der Ansätze auf eigene Forschungsprojekte erproben.

 

Mireille Schnyder (Germanistik)

Staunen

Di 14:00-15:45

In dem Kolloquium werden theoretische Texte zum Staunen gemeinsam diskutiert und Primärtexte zur Vorlesung vertiefend besprochen. Die Teilnahme am Kolloquium ist sinnvoll, wenn parallel dazu die Vorlesung besucht wird.

 

Sebastian Scholz (Geschichte)

Recht und Gesellschaft im frühen Mittelalter

Mi 10:15-12:00, bis 22.5.

Das Kolloquium wird sich mit der Wechselwirkung zwischen Normierung und gesellschaftlicher Entwicklung im Frankenreich vom 6. bis zum 9. Jahrhundert beschäftigen. Zu den Themenkomplexen gehören die Frage der Steuererhebung, die Stellung der Frau, der Umgang mit Sklaven, die Bedeutung der Kirche sowie weitere Themen. Dabei werden die Normen und ihre Umsetzung in den Blick genommen und ihrem Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft nachgegangen.

 

Claudia Zey (Geschichte)

Lateinische Quellenlektüre: Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert

Di 14:00-15:45

In diesem Kolloquium werden ausgewählte Passagen aus den Geschichten des Klosters Petershausen bei Konstanz (Casus Monasterii Petrishusensis) gemeinsam übersetzt und interpretiert. Dabei geht es darum, die Lateinkenntnisse an einem ebenso wichtigen wie unterhaltsamen Geschichtswerk des 12. Jahrhunderts zu schulen und zugleich eine wichtige Quellengattung des Mittelalters kennen zu lernen. Diese Klostergeschichte entstand zunächst Mitte des 12. Jahrhunderts und wurde mehrfach (bis ins 16. Jahrhundert) fortgesetzt. Es geht vor allem um die Geschichte des Klosters, seine Ausstattung, seinen Besitz, das Leben der Mönche und die Einflüsse der politischen Wirren des 11. und 12. Jahrhunderts auf die Klostergeschichte. Das Original des Autors oder eine frühe Abschrift ist erhalten geblieben und liegt heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg: Codex Salemitanus IX 42 a (Cod. Sal. IX 42 a, ehemals Bibliothek des Klosters Salem, daher die Bezeichnung der Handschrift). Diese Handschrift liegt in einem hochauflösenden Digitalisat vor: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/salIX42a auch die letzte, in der Scriptores-Reihe der MGH erschienene Edition ist online zugänglich: https://www.dmgh.de/de/fs1/object/goToPage/bsb00000887.html?pageNo=624 Zudem existiert eine deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1958, die von der Fachwelt allerdings als vollkommen unzureichend eingeschätzt wird. In der Übung wird es also möglich sein, Handschrift, lateinische Edition und deutsche Übersetzung zu vergleichen und dadurch ein Gespür für die sprachlichen Feinheiten des lateinischen Originals und einer neuen deutschen Übersetzung zu entwickeln.